Ende 2009 hatte ich begonnen Manga Studio 4 Debut zu testen und wechselte später auf die Pro Version Manga Studio 4ex. Seit ein paar Jahren ist nun schon der Nachfolger auf dem Markt. Es handelt sich hierbei nicht einfach nur um eine Erweiterung, vielmehr wurde vieles grundlegend überabreitet. Lange Zeit habe ich mich vor diesem Upgrade gescheut, da das alte Dateiformat nicht mehr unterstützt wird. Doch da ich bei Ingmar sehe, wie Kolorationen in Manga Studio 5 aussehen können, habe ich mich am vergangenen Wochenende schließlich überwunden, und zumindest die Testversion installiert.

Der erste Eindruck

Auf den ersten Blick fällt auf, dass sich die Fenster und Paletten grundlegend verändert haben. Das ist für alle Stammnutzer der alten Version zunächst eine ziemliche Umstellung. Grundsätzlich kann man die Einblendung natürlich variieren und für sich einstellen. Doch hier einfach mal im Vergleich:

Ansicht Manga Studio 4ex

Manga Studio 4 ex

Manga Studio 5 ex

Manga Studio 5 ex

Nicht ganz herausbekommen habe ich, wie ich die Story-Übersicht wieder öffnen kann, wenn ich den Tab einmal geschlossen habe. Oder wo ich mir meine Farbpalette zusammenstellen kann. Doch das findet sich sicherlich wieder.

Panel Einstellungen

Um mir Panel für eine Seite aufzuziehen, nutze ich als Basis immer eine der Vorlagen. Die gibt es auch weiterhin und ließen sich gut finden. Dafür erfordert das nachträgliche Teilen von Paneln nun eine vorherige korrekte Einstellung der Abstände. In der alten Version gab es da einen sinnvollen default, der für Unentschlossene okay war. In der neuen Version liegt die Voreinstellung bei einem Abstand von 0 und entspricht natürlich nicht dem, was man eigentlich aus Comics kennt.

Lineale und Hilfslinien

Ein sehr überzeugendes Feature in Manga Studio waren schon in der 4er Version die „Special Ruler“. Also besondere Lineale, wie etwa für Symmetrie oder Perspektiven. Diese waren bisher konzentriert beeinander und wurden in der Regel einfach in der Mitte des digitalen Blattes platziert. Die 5er Version führt ein „Frame-Konstrukt“ ein, indem man Perspektiv-Lineale nach 1-Punkte, 2-Punkt oder 3-Punkt Perspektive setzen kann. Genauso kann man nun jedoch an jeder beliebigen Stelle Lineale erstellen.

Lineale in Manga Studio 5

Farben

Der eigentliche Grund, warum ich mir die Testerversion von Manga Studio 5 installiert habe, sind die neuen Kolorationsmöglichkeiten, da ich mit meinen bisherigen Kolorationsversuchen eher unglücklich bin. Weiche Übergänge gehen in meiner bisherigen Installation des Programms nur mit Verläufen und mühsam gesetzten halbtransparenten Schichten. Diese Lasur-ähnliche Technik ist jedoch sehr zeitaufwändig und passt nicht zu meinem eher engen Zeitbudget neben dem Hauptberuf.

Effekte mit dem Blend-Pinsel

Neben einem erweiterten Pinselwerkzeug, dass nun Aquarell, Öl oder Tusche digital simmuliert, gibt es auch ein Blend-Werkzeug, dass absolut großartig ist und mir beim Testen viel Spaß gemacht hat. Für solche Effekte muss ich bisher zu Painter von Corel greifen, der leider dafür jedoch für hohe Bildauflösungen eine viel zu schlechte Performance abliefert. Da man in der Testversion nicht speichern kann, aber ich mich bisher eher mit kleinen Kritzeleien begnügt.

Babykopf in Manga Studio 5

Haus mit Garten

Auch wenn es sich hierbei nur um kleine Skizzen handelt, so finde ich diese etwas texturreichere Koloration viel lebendiger, als meine bisherigen Formen.

Hier zum Vergleich eine Zeichnung, die ich in diesem Monat mit Manga Studio 4 ex gemacht hatte:

Mara Jade in Manga Studio 4

Nun ist es sicherlich vom Motiv und der Story abhängig, welche Form der Koloration besser funktioniert. Auch diese eher Cartoon-artige Variante hat definitiv ihre Berechtigung. Doch ich möchte die Wahl haben – und ich möchte dafür nicht erst 3 Mal die Software wechseln und mit verschiedenen Auflösungen jonglieren müssen, wie es der Fall ist, wenn ich den Painter von Corel einbinden würde.

3D Figuren als Vorlage

Absolut neu für mich ist die Möglichkeit, 3D Figuren direkt in meine Zeichnung zu holen und so etwa als Vorlage zu nutzen. Bisher habe ich mit dafür Poser Debut angeschafft und mit Screenshots gearbeitet, wenn ich bei Proportionen unsicher war. Die in Manga Studio integrierten Marquettes sind vielmehr wie die gute alte Holzpuppe – und dabei viel flexibler.

3D Marquettes in Manga Studio

Hierbei gibt es eine Reihe von Posen auf die man direkt aufbauen kann. Sitzen, stehen, gehen – es sollte für viele Situationen bereits sinnvolle Posen geben. Anschließend kann man die Figur selbst im Raum drehen oder auch einzelne Körperteile entsprechend rotieren. Die Bedienung ist hierbei im ersten Moment vielleicht etwas ungewohnt. Um die ganze Figur zu bewegen, muss man die blau-violetten Symbole gedrückt halten. Klickt man einzelne Körperpartien an, so werden diese rot markiert (lässt sich nicht im Screenshot einfangen) und eine Kugel mit 3 Achsen wird eingeblendet. Klickt man den grauen Rahmen an, so verändert man die allgemeine Kameraeinstellung auf die Figure.

Bearbeitung der Pose einer 3D Marquette in Manga Studio

Nun wäre es natürlich fatal und langweilig, wenn fortan alle Figuren Standard-Proportionen hätten. Doch auch hierfür haben die Entwickler eine gute Lösung gefunden. Über verschiedene Einstellungsfenster, lässt sich die Marquette verändern. Die Optionen sind sicherlich nicht so Detailreich, wie in einem 3D Programm, doch da es hier vielmehr um eine Vorlage zum Zeichnen geht, sollte das recht unproblematisch sein.

Einstellungen für die 3D Marquette

Die Fenster hat man normaler Weise nicht alle gleichzeitig auf. Dazu muss man wissen, dass sich alle Einstellungen gegenseitig beeinflussen. Das Ergebnis der oberen Konstellation sieht bei der bereits gezeigten Pose wie folgt aus:

3D Marquette mit den Proportionen eines Kindes

Fazit

Manga Studio 5 ex bietet eine unheimliche Fülle an neuen Funktionen, die wirklich ein großer Sprung im Vergleich zu der bisher von mir genutzten 4er Version ist. Mit knapp 100 EUR wäre ich bei einem Upgrade dabei – und das ist im Vergleich zu einem Painter Upgrade wirklich günstig. Wahrscheinlich werde ich mir dieses Upgrade kaufen und dafür auf weitere Upgrades des Painters von Corel verzichten.

Für meinen Test habe ich mir übrigens nur die 5ex Version angeschaut, da die normale 5er Version (weitaus günstiger) den Story-Modus nicht unterstützt. Der ist jedoch unerlässlich, wenn man mehrseitige Dokumente anlegen möchte, um zum Beispiel einen Comic, eine grafische Novelle oder auch einfach einen seriellen Comic-Strip zu zeichnen. Sonst müsste man ständig mit einzelnen Dateien herum hantieren und darauf habe ich definitiv keine Lust.

Wenn ihr neugierig geworden seid und euch der Unterschied zwischen den 4er und 5er Versionen interessiert, schaut am besten hier vorbei:

Complete Feature Comparison List of Manga Studio

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Manga Studio 5 ex im Test
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