Während ich fleißig an meiner Welt arbeite, juckt es mich natürlich immer wieder in den Fingern, etwas zu zeichnen. Es ist jedoch ein Teufelskreis, denn für Hochglanzillustrationen fehlt mir einfach die Zeit. Zum visuellen Erzählen einer Geschichte braucht auch erstmal keine perfekten Illustrationen.
Natürlich habe ich auch KI mal gefragt und dann überlegt, ob ich meine Welt wirklich über KI-Bilder mit euch teilen möchte. Nein, möchte ich nicht. Bei allem Wow-Effekt, den auch ich empfinde, wenn die KI binnen kürzester Zeit vollwertig aussehende Bilder generiert, merkt man doch, dass es irgendwann eben etwas generisch wird. Über eventuelle kleine Fehler und Herausforderungen bei Perspektiven und Größenverhältnissen möchte ich gar nicht sprechen. (Auch wenn mir bewusst ist, dass Midjourney hier noch viel mächtiger wäre, als Chat GPT.)
Doch KI ist trotzdem als Sparringpartner recht nützlich.
Inhalt
KI als Trainingspartner
Neulich philosophierte ich über Character Design. Erstmal von Nebenfiguren für projektbezogene Seiten, die hier auf der Variationsphase entstehen sollen. Dabei gab Chat GPT Informationen zur Wirkung von Grundformen aus. Da klingelte es in meinem Kopf. „Das kenne ich doch.“
Tatsächlich habe ich ja diverse Zeichenbücher zu Hause. Und siehe da, Tom Bancroft beschreibt in seinen Charakter Design Büchern genau die Nutzung dieser Grundformen. So bewusst hatte ich das in all den Jahren gar nicht ausprobiert, also wurde es Zeit, das endlicu mal zu tun.
Das Interessante: nun sitze ich beim Zeichnen nicht einfach nur mit dem Buch da, sondern kann meine Versuche an die KI geben und Feedback erhalten. Das ist nicht perfekt, aber es bringt einen Loop mehr rein, wenn man gerade keinen erfahrenen Zeichner zur Hand hat, der einem helfen kann.
Grundformen im Character Design
Doch wie war das nun mit den Grundformen? Tom Bancroft beschreibt in seinem Buch die Wirkung von Figuren, in denen bewusst auf runde Formen, Quadratische/Rechteckige Formen und Dreiecke.
- Rund: weich, freundlich, empathisch
- Rechteckig: stabil, zuverlässig, kontrolliert
- Dreieckig: dynamisch, gefährlich, rebellisch
Hier einmal mein Versuch einer ersten Anwendung bei Figurenportraits.


Wie man sieht, bin ich ganz schön eingerostet, doch ich denke, die Richtung ist klar. Natürlich lässt sich das auf den ganzen Körper der Figur übertragen. Im Buch findet ihr dazu diverse Beispiele. (Affiliate Link: „Creating Characters with Personality“ von Tom Bancroft | https://amzn.to/3NuGXj0 )
Qualität des Designs prüfen
Um zu prüfen, wie gut eine Figur oder Pose erkennbar ist, gibt es übrigens den Silhouetten Trick. Den erwähnt sowohl Tom Bancroft, als auch Walt Stanchfield in seinen Büchern. Wer digital arbeitet, kann das ganz einfach machen: Fülle die Fläche in Schwarz und schaue, ob du noch erkennst was es für eine Figur ist oder was dort getan wird. Diese Fläche kann man dann auch einfach in weiß umfärben und die Kolorationsebenen als Schnittmaske darüber legen. So ist die Arbeit nicht umsonst gewesen.
Nächste Schritte
Mein Ziel ist nun, das auf meine eigenen Figuren anzuwenden, um somit für etwas Visualisierung neben all dem Text sorgen zu können. Hierbei fokussiere ich mich erst einmal auf Nebenfiguren, um wieder mit dem Zeichnen warm zu werden.
Doch vorab wird erstmal frei und unverfänglich geübt. Das klappt auch gut Analog im Skizzenbuch ohne Perfektionsansprüche. Hierbei kann man ziemlich frei herumspielen. Anlässlich der bevorstehenden Osterfeiertage, habe ich nachfolgend mit verschiedenen Hasenfiguren herum gespielt.

Man merkt schnell, dass die Runde Form natürlich besonders gut passt. Das auf die Spitze gedrehte Dreieck macht schnell „böse“ (mein Sohn hat es sofort erkannt), während das mit Spitze nach oben gedrehte Dreieck einfach nur etwas verwirrt ausschaut. Einen Hasen aus Vierecken zu zeichnen, fiel mir hierbei am schwersten.