Schon als Kind mochte ich es, in andere Welten einzutauchen. Vor allem Anfang der 2000er, als die Herr der Ringe Filme erschienen, entstanden viele solcher Seiten. Es gab Namensgeneratoren, mit denen sich jeder selbst einen Namen erstellen konnte. 

Bei mir kam damals „Luthien Elensar“ heraus und ich schrieb ihr eine kleine Geschichte als Kind der Waldelfen auf den Leib. Es gab sogar eine kleine Website dazu. Davon ist heute nichts mehr Online und der Name auch mittlerweile das Pseudonym von jemand anderem. Was völlig okay ist. 

Habe ich damals Geschichten im Herr der Ringe Universum erfunden, so habe ich mit „Das verborgene Gleichgewicht“ nun die Chance, das in meiner eigenen Welt zu tun. Und das weckt durchaus das innere Kind in mir. 

Da ich heute allerdings weiß, was Urheberrecht bedeutet, ist mein innerer Anspruch ein anderer. 

Was ist diegetisches Storytelling? 

Diegetische Dokumente sind Dokumente, die es so innerhalb der jeweiligen Welt geben kann. Wenn es dort also eine alte Chronik gibt, so wäre die Veröffentlichung der Chronik diegetisches Material. 

Die Lehrbücher aus Harry Potter sind ein ganz gutes Beispiel dafür. Zunächst erschienen ja die Harry Potter Bücher selbst, doch später konnte man durchaus einige Buchtitel mit Titeln analog der Lehrbücher erwerben. 

In meiner Welt gibt es nun keine klassischen Lehrbücher, sondern diverse andere Dokumente, die ich versuche, nachzuempfinden, um sie hier zielgerichtet einzubinden. Eine alte Chronik, diverse – teils alte – Notizbücher, ein Skizzenbuch usw. 

Diegetische Dokumente können in zwei Kategorien fallen. Sie können einerseits kleine Aspekte der Geschichte aus einer anderen Perspektive erzählen. Gibt es einen Bericht über etwas, so muss dies Teil der Backstory der jeweiligen Figur sein und in deren Gedächtnis einfließen usw. Andererseits kann es auch einfach eine Stimmung vermitteln, wie etwas in der Welt gehandhabt wird. 

Wir können also eine narrative Funktion und eine atmosphärische Funktion unterscheiden. 

Vielfältige Möglichkeiten 

Diese Dokumente haben nun ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Manche brauchen Illustrationen bzw. Skizzen, andere sind eher Textlastig. Je nachdem variiert der Aufwand bei der Erstellung für mich entsprechend. 

Ein Notizbuch über Kräuter könnte einfache Aquarellskizzen enthalten, die alte Chronik vielleicht eher Tusche oder Kohlzeichnungen, ein Skizzenbuch bleibt eher bei Bleistift – manche Notizen sind handgeschrieben, während offizielle Zirkeldokumente wiederum eher maschinell erstellt sind. Doch auch diese offiziellen Dokumente brauchen eine wiedererkennbare Form.

Ihr seht schon: Ein kreativer Spielplatz besonderen Ausmaßes breitet sich aus. Es juckt mir jetzt schon in den Fingern, verschiedene handschriftliche Fonts zu suchen und den einzelnen Figuren zuzuordnen, um potentielle Notizbuchseiten zu erfinden.  

Kombination mit Projekten 

Der Vorteil an diegetischem Material ist, dass es so offen ist, dass ich es in einem gewissen Rahmen mit anderen Projekten kombinieren kann. Speziell die atmosphärischen Dokumente, die keinen zwingenden Storybezug haben, lassen mir viel Spielraum. 

Aus diesem Grund habe ich das Projekt 52 im Mai genutzt, um euch einen Einblick in Miras Spurenbuch zu geben. 

Diegetisches Storytelling und warum ich es mag 

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