
In diesem Jahr habe ich einen Schritt gewagt, den ich mich so bisher nicht getraut hatte. Ich habe mir im Dezember 2025 vorgenommen, eine Novelle zu einer Story Idee zu schreiben, die ich schon länger mit mir herumtrug.
Inhalt
Hintergrund
Der Kern der Geschichte wurde 2021 von mir als Story-Entwurf für eine 8-Seiten-Comic-Story für die Horrorschocker entworfen. Anfangs war die Story noch zu dünn, nach Input von Lina und Mike bekam sie mehr Tiefe, doch nun merkte ich bald, dass ich versuchte, zu viel moralisch zu erklären und das genau nicht mehr in so eine reine Horroschocker-Kurzgeschichte passte.
Also arbeitete ich weiter an dem Material – 2023 dann erstmals unter Anwendung der Dramatica Theorie. Doch ich bekam es nicht in die richtige Richtung.
Als ich es Anfang 2025 mit Chat GPT auseinander nahm, entstand dann sehr schnell ein viel zu großes Gerüst, was mich dazu brachte, das Projekt an die Seite zu legen, da ich bereits ein anderes Romanprojekt verfolgte. Da ich mich dort jedoch in World Building und Konzeption verlor, schlug Chat GPT vor, als kleineres Projekt eine Novelle zu schreiben.
Das hielt ich für eine gute Idee. Ein kleines, abgeschlossenes Schreibprojekt, mit dem ich einmal den ganzen Flow bis hin zur Veröffentlichung durchtesten konnte.
Eine Rohfassung entsteht
Und hier nahm ich also im Dezember 2025 nach Weihnachten „Ruf nach Meer“ wieder aus der Schublade. Ich war erschlagen von all den alten Notizen. Ob KI mir helfen würde, diese Notizenflut zu durchdringen? Da ich ja nun statt Roman zu einer Novelle wollte, regte Chat GPT an, dass ich erstmal nur aufschreiben sollte, was ich noch im Kopf hatte. So entstand an einem Nachmittag sehr schnell das reduzierte Storykonzept mit den vier Throughlines – Erzählsprüngen – nach Dramatica Modell.
Ich ließ auf dieser Basis Chat GPT einen Vorschlag erstellen, welche Szenen ich ausarbeiten sollte. Beim Schreiben der Szenen stellte sich jedoch schnell heraus, dass die vorgeschlagene Einteilung nicht funktionierte. Es waren Dinge in zwei Szenen geteilt, obwohl es sich eigentlich um zwei Beats der gleichen Szene handelte.
Nach kürzester Zeit merkte ich, dass die generierte Szenenstruktur keine Erleichterung für mich war und ich verwarf sie direkt wieder.
So schrieb ich sukzessive Szene für Szene. Ergänzte Szenenkarten, wenn ich merkte, dass ich etwas vergessen hatte. Während des Schreibens gab ich der KI immer wieder meine geschriebenen Textblöcke. Es gab formale Korrekturen zu Tippfehlern, Grammatikfehlern oder auch verschobenen Zeitformen. Sehr nützlich. Aber auch Hinweise zu Wortwiederholungen.
Natürlich wäre es besser gewesen, einfach den Text in einem Rutsch durch zu schreiben, doch das fiel mir aus irgendeinem Grund schwer. Ich war zu ungeduldig, denke ich. Schnell wollte die KI mir eigene Textblöcke schreiben, doch das ließ sich einfach mit einer klaren Ansage unterbinden. Hinweise zu meinen Formulierungen gern, aber keine komplett neuen Textblöcke aus der KI. Das war mir wichtig. Chat GPT sollte Werkzeug sein und nicht Autor.
Innerhalb eines guten Monats schrieb ich also die Rohfassung meiner Novelle und brachte es auf rund 10.000 Wörter.
Raus aus der Komfortzone – Feedback einholen
Anfang Februar übergab ich mein Projekt an zwei Beta-Leser: Meinen Mann und einem Freund und Mentor. Zugegeben beide vermutlich nicht unbedingt Kernzielgruppe, doch ich wollte Feedback haben. Dann hieß es warten und ich widmete mich erstmal wieder meinem anderen Projekt.
Nach einer Woche hatte ich das Feedback meines Mannes. Die Story sei in sich logisch und schlüssig, aber auch zu vorhersehbar. Er hatte sich viel Mühe gemacht und mir im Text auch Stellen markiert, wo er konkrete Formulierungen verwirrend fand. Anmerkungen geschrieben usw. Nach gut zwei Wochen folgte das Feedback meines Mentors, dass auf der Meta-Ebene in eine ähnliche Kerbe schlug.
Aus dem Feedback wurde schnell klar, dass vor allem der Anfang der Geschichte große Schwächen aufzeigte und die Spannung zu schnell raus nahm.
Feedback auswerten und Kritik annehmen
Ich gab der KI meinen Text und eine Zusammenfassung des Feedbacks, um dann mit der KI zu diskutieren, wie ich den Einstieg in die Geschichte umstrukturieren kann, um mehr Spannung zu erzeugen. Hierbei gab es dann mehrere Hinweise, wo ich ansetzen könnte, um die Aufmerksamkeit der Leser besser zu lenken. Die KI hat mir geholfen zu verstehen, wo ich versuche, eine Weltlogik zu integrieren, die das Format der Novelle eindeutig überschreitet. (Ich merke, ich baue gern Weltlogik.)
In Scrivener habe ich einen neuen Abschnitt für die V2 der Novelle angelegt, um die Ursprungsfassung nicht zu verfälschen. Ich begann also wieder, Szenenkarten in Scrivener anzulegen. Wohl wissend, dass ich die alle wieder mit Text würde füllen müssen.
Dieser Gedanke bremste mich schließlich endgültig aus, denn mein Kopf war eigentlich schon wieder zurück bei meinem Herzensprojekt. Ich legte „Ruf nach Meer“ noch einmal zur Seite – Prokrastination vom Feinsten. Bis ich schließlich bemerkte, dass ich mich hier selbst sabotierte.
Bereit für Version zwei
Nun haben wir bereits März. Mein Ziel, diese Novelle im ersten Quartal des Jahres auf die Straße zu bringen, ist noch nicht verloren. Doch es braucht ein neues Commitment von meiner Seite.
Die nächsten Schritte liegen klar vor mir: Szenenkarten für die gesamte Story vervollständigen. Beziehungen besser aufbauen und falsche Fährten legen. Auf diese Weise sollte ich den Spannungsbogen der Story für neue Leser interessanter gestalten können. Dabei will ich natürlich die Rohfassung nicht aus dem Blick verlieren, denn einige Szenen sollte ich mit leichten Anpassungen übernehmen können.
Die kommenden Abende werde ich entsprechend wieder „Ruf nach Meer“ öffnen und mich sukzessive durch die Geschichte arbeiten.