Aus der „Hutmacherin“ ist längst etwas Neues geworden. Sie hat mir geholfen, den Wandel hin zum Erfinden einer eigenen Geschichte zu beschreiten. In diesem Sinne möchte ich heute einmal zurückschauen.

Eine Zeitreise

Es ist nun schon über 15 Jahre her, dass ich mich abends mit einem Kommilitonen in der Hochschule traf, um zu zeichnen. Die Character Design Challenge hatte damals das Thema Alice im Wunderland und ich entwarf eine Hutmacherin. Diese Zeichnung zeigte ich später Michael „Mike“ Musal, bei dem ich mehrere Jahre Zeichenunterricht nahm. Er motivierte mich immer wieder, eine Geschichte zu meiner Zeichnung zu erfinden. Anfangs waren das lose Comic-Stripes. Hier tauchten bereits erstmalig Eichhörnchen auf. 

Später entstand daraus sukzessive eine Idee für ein Kinderbuch. Ich hatte mich auch für ein Masterstudium in Narrative Environments beworben, wo ich das gern interaktiv gestaltet hätte, doch daraus wurde nichts.

In der ersten Phase erkundete ich die „Hutmacherin“ eher visuell

Enttäuscht von der Absage landete das Projekt erstmal in der Schublade. Doch so ganz ließ es mich nicht los. 2015 und 2016 nutzte ich den Inktober um erste Illustrationen der Storyidee anzufertigen. 

Ende 2016 entstand auch eine kleine Reihe von 24 Zeichnungen als „Adventskalender“, die die Hutmacherin bei einer älteren Dame lebend zeigte.

Als ich später – einige Jahre später – komplett stecken geblieben war, schlug Mike vor, etwas mystisches aufzugreifen. Ich solle mich einfach mal mit nordischer Mythologie beschäftigen. Das tat ich und so entstand die Grundidee. Aus Charlotte und der Hutmacherin wurden Charlotte, Kilian und Enya. Die Namensrecherche kostete mich Ewigkeiten und ich blieb wieder stecken. Ich begann mich stärker mit Storytheorie zu beschäftigen und der Fokus verschob sich vom visuellen Denken zu Zusammenhängen und Beziehungen. 

In der zweiten Phase ging es mehr um Story

Linktipp: Alle bisherigen Beiträge zur Hutmacherin habe ich unter einer Kategorie „Die Hutmacherin und ihre Freunde“ gebündelt.

Die KI-Systeme wachsen 

Schließlich kam KI auf den Plan und ich versuchte erste Recherche-Aufgaben mit Chat GPT zu erledigen. Da ging es zunächst vor allem um Geister. Ich wechselte zwischen Online Recherche und KI und irgendwann stellte ich für mich fest, dass es vielleicht gar nicht darum ging, hier eine perfekte Mythologie abzubilden, sondern ich ja eigentlich eine Geschichte erfinden wollte. 

Alles begann wieder einzuschlafen – so zwischen Arbeitsleben, Familie und Ehrenamt gab es ohnehin nur begrenzt Zeit. Anfang 2025 dann ein neuerlicher Versuch, KI zu nutzen, um mein Projekt doch noch einmal anzustoßen. Es entstand ein Ping Pong von Ideen, Formulierungen von Chat GPT die schließlich mein Kopfkino endgültig entfesselten. Vor allem wurde Namensfindung plötzlich viel leichter. Statt mich ewiglich durch alphabetische Namenslisten zu lesen oder Bedeutungen zu googeln, konnte ich nun einfach Chat GPT erklären, was ich mir vorstellte – bekam diverse Vorschläge und wählte aus. Je weiter ich kam, desto besser wurden die Vorschläge, da die Klangfarbe langsam eine Richtung bekam. 

Natürlich versuchte ich auch das ein oder andere Bild mit ChatGPT zu generieren, doch gerade die Besonderheit von Enyas Größe im Vergleich zu den anderen Charakteren bekam ich einfach nicht sinnvoll umgesetzt. Als Anregung ganz nett, aber irgendwie nicht hilfreich für die Produktion. 

Im März 2025 versuchte ich Enya von der KI entwickeln zu lassen. Da Chat GPT wenig später das Modell anpasste, änderte sich auch die Optik. Das zweite Bild ging in eine ganz gute Richtung, denke ich.

Neben Enya blieb auch der Garten als zentraler Ausgangspunkt meiner Geschichte, doch die Welt ist mittlerweile viel größer gewachsen. Es gibt mehrere Handlungsorte, die sich mit der sukzessiven Entwicklung der Geschichte entfalten. In der Backstory rund um Enya und das Haus sind jedoch viele ursprüngliche Impulse geblieben. 

Hat KI nun meine Geschichte geschrieben? 

Nein.

Aber KI hat Schreibblockaden gelöst, mich zurück in mein Projekt geholt und Anregungen geliefert, wenn ich nicht weiter kam. Der andere Aspekt war die Analyse. Während mein Scrivener Projekt immer weiter wuchs, stellte ich immer wieder neue Exporte meiner Storybible und des Storykonzepts bereit, nahm es mit Dramatica und Beat Sheets auseinander, um Lücken aufzudecken und wieder zu schließen. 

Dieser Prozess hat sich mehrfach wiederholt – zumal GPT 4.0 noch sehr unsauber arbeitete. GPT 5.1 war dann schon weiter, doch trotzdem war es erforderlich, das Dramatica Structure Chart immer bei mir zu haben, damit wir nicht falsch abbogen. An ein paar freien Tagen im Urlaub, wo ich große Teile des Gesamtstorybogens konzipierte, hatte ich nicht an das Chart gedacht und mich total verrannt, sodass ich die Throughlines wieder überarbeitete und nachschärfte. 

Mit jedem neuen GPT-Sprachmodell stellte ich wieder Veränderungen in der Handhabung meiner Quellen fest. Es war also unerlässlich alles sauber nachzuhalten. 

Gleichzeitig half Chat GPT mir Detailaspekte von Dramatica oder auch Namen von Types, Variations, Elements noch einmal in Deutsch zu erklären, um nicht lange nochmal googeln zu müssen. Ich hatte immer wieder parallele Chats auf, wo ich allgemeine Theoriefragen diskutierte. 

Wie man Dramatica für die Storyentwicklung nutzen kann, habe ich exemplarisch im Rahmen des Projekt 52 durchgespielt. Zum Beitrag

Hilfe – so viel Material 

Über ein gutes halbes Jahr wuchs mein Material in rasantem Tempo an. Ich entwickelte Ideen, verwarf sie wieder und mit der Zeit, zeichnete sich ein Muster ab. Ich gebe zu – ich mag Muster und ich mag, wenn es halbwegs logisch ist – so entstand aus einer ersten Idee eines mysteriösen Hüters sukzessive eine Geheimorganisation mit Magiesystem und Vergangenheit, die Charlotte über die Zeit sukzessive entdecken wird. In den darauf folgenden Monaten ließ ich das Material weiter in mir arbeiten, schärfte nach und entwickelte zunehmend auch visuelle Aspekte meiner Welt. Weniger als glatt polierte Illustrationen, sondern mehr als Konzeptzeichnungen. 

Mittlerweile lebt diese Welt in mir und ich kann mich mental in verschiedene Zeitpunkte, Orte oder Charaktere hinein versetzen. Selbst viele Nebenfiguren haben ihre Backstorys, die sie miteinander verbinden, sodass sie nicht aus dem „Nichts“ auftauchen. So wurde aus der alten Dame, die ich bereits 2016 in der weihnachtlichen Bildergeschichte andeutete, zu Ursa Thalen. Einer Witwe, die aus Gründen, die ich hier an dieser Stelle nicht näher ausführen will, von Vertretern des geheimen Zirkels besucht wird, wodurch Enya mit ihr und dem Garten in Kontakt kommt.  

Fazit

Rückblickend kann ich wirklich sagen, dass meine kreative Seite mit der „Hutmacherin“ gewachsen ist. Habe ich als Schülerin und zu Beginn meines Studiums noch eher von Vorlagen abgezeichnet und viel FanArt produziert, so ist aus dieser einen spontanen Zeichnung aufgrund eines externen Impulses nun über Jahre meine ganz eigene Welt entstanden, in der ich mich kreativ austoben kann. 

Sukzessive möchte ich meine Welt zum Leben erwecken und euch hier im Rahmen der Variationsphase daran teilhaben lassen. Ein erster Einstieg hierzu sind meine aktuellen Beiträge zum Projekt 52. Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, erkennt ihr bestimmt einige Parallelen zwischen Enya und früheren Ideen rund um „die Hutmacherin“. 

Von der Hutmacherin in eine magische Welt

One thought on “Von der Hutmacherin in eine magische Welt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert