In dem einen Moment mache ich die Betten oder stehe in der Küche und dann ist er da. So ein kurzer Gedanke. Entweder für einen Aspekt in meiner Geschichte oder auch für einen Blog Beitrag. Das Smartphone ist ohnehin oft in der Nähe. Früher hätte ich eine Notizapp geöffnet und meine Idee aufgeschrieben. Doch heute neige ich im ersten Augenblick oft dazu, Chat GPT zu öffnen und meine Idee einfach erstmal rein zu geben. 

Die Folge von KI statt einfacher Notizen

Und dann beginnt oft eine Schleife. Die KI ordnet meine Idee ein – gute Idee oder vielleicht noch Anpassungsbedürftig? Sie stellt Folgefragen oder macht eigene Vorschläge. 

Ehe ich es mich versehe, falle ich wie Alice im Wunderland in den Kaninchenbau. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie eine Idee mich den ganzen Tag beschäftigt. Da beginnt dann schon das Storytelling in meinem Kopf und eine halbe Projektplanung. Mache ich eine kleine Mini-Serie über Kilian und Enya? Veröffentliche ich sie nur im Blog oder auch auf anderen Plattformen, um potentielle Leser zu gewinnen? Meine Tochter meinte, ich lese so gut vor, vielleicht sollte ich mal versuchen, YouTube Videos zu machen? Vielleicht einfach mit Zeichnungen, die so eingeblendet werden als Untermalung. Die könnte ich doch im Rahmen von Inktober erstellen. Dann hätte ich eine mehrfache Verwertungskette und könnte testen, wie mein Material so ankommt. Das Handwerkzeug habe ich von meinem Studium und ich weiß, dass für sowas auch schon Keynote und Garage Band als Tools reichen. 

Doch dann kommt die Ernüchterung. Ein Moment der Klarheit, der mich aus meinem frisch gebauten Tagtraum herausriss. 

Ideen mit KI zu diskutieren ist wie ein Sturz in den Kaninchenbau.

Wolltest du nicht erstmal Ruf nach Meer fertig schreiben und veröffentlichen? Und die Struktur für Buch 1 hast du doch auch endlich fertig. Auch dort geht es jetzt ins Schreiben. 

Ich muss mir eingestehen, dass die KI mich zum Meister der Prokrastination macht, denn jedes Gedankenspiel fühlt sich gleich unheimlich produktiv an. Da ich beruflich als Projektmanagerin arbeite, ist das aufziehen solcher vereinfachten Projektpläne auch eher eine leichte Fingerübung, als ein Kunststück. Manchmal ertappe ich mich, wie ich in Miro schon halb einen Projektplan skizziere. 

So verliere ich immer wieder freie Zeit und komme doch mit dem eigentlichen Plan, den ich mir schon auferlegt habe, nicht so recht vorwärts. 

Pondering Time nicht überspringen 

Fakt ist, dass dieses vermeintlich produktive Gefühl, dass mir die KI vermittelt, massiv meinen „Closed Mode“ triggert. Die rationale, planerische Seite meines Gehirns. Doch es ist gerade das Abwarten und über etwas Nachdenken, diese scheinbar unproduktive Zeit, in der unser Unterbewusstsein spielen darf, der Hebel für Kreativität. (Wer hier tiefer eintauchen will, suche nach „Speech on creativity“ von John Cleese.) 

Lege ich das Smartphone weg, so hat mein Gehirn, wieder die Chance, in seinem Tempo und in seinen Bahnen zu denken. Und dann passiert die eigentliche Magie: Denn hier entstehen Assoziationen und neue Blickwinkel, die womöglich im Dialog mit Chat GPT nicht gekommen werden. Denn je nachdem, wie man promotet, setzt man natürlich auch den Fokus der KI. 

Wenn mich nicht gerade der Alltag aus meinem Kaninchenbau heraus zerrt, so erreiche ich vor allem bei inhaltlichen Themen oft den Punkt, dass ich mit den Antworten der KI an einen Sättigungsmoment komme. Ich werde unzufrieden und spüre, dass ich in einer Sackgasse stecke. Meist drehe ich dann mit der KI im Kreis, fühle mich missverstanden und spüre in mir, dass ich gerade noch nicht zufrieden bin, es aber nicht formulieren kann. Oft mache ich dann das Smartphone erstmal wieder aus. 

Warum passiert mir das ständig? 

Ich habe länglich darüber nachgedacht, warum die KI sich dermaßen in meinen Denkprozess geschlichen hat. Im Grunde ist die Antwort sehr offensichtlich: 

Die KI ist wie ein Sparringpartner, der einfach immer da ist. 

Im Alltag würde es uns wohl kaum einfallen, für einen beliebigen spontanen Gedanken jemanden anzurufen oder den Partner aus seiner aktuellen Tätigkeit zu reißen. Dazu kommt, dass eine KI natürlich oft dazu neigt, positiv zu kommunizieren und uns erstmal zu loben. Das ist natürlich für unser Belohnungszentrum sehr ansprechend und besser, als vom Partner mürrisch abgewiesen zu werden, weil man gerade dessen Gedankengänge unterbrochen hat. 

Fazit 

Was bedeutet das für uns? Für mich? Eins ist bereits absehbar: Es ist wichtig, sich das kritische Denken und Hinterfragen nicht abzugewöhnen. Ich muss mich selbst  beobachten und rechtzeitig zu bremsen. 

Da ich meine Selbstkorrektur Chat GPT oft mitteile, hat es in meinem Account nun schon gelernt, mich zu bremsen, wenn ich die nächste Kreativbaustelle aufmache. Das ist fast schon ironisch, dass ausgerechnet die KI mir hilft, mich selbst zu erziehen, auch wenn es manchmal den Spaß raus nimmt. 

Wie heißt es so schön: „Ideen zu haben, ist der Himmel – die Umsetzung die Hölle.“ 

Schwierig wird es für mich jedoch, wenn gefühlte Produktivität im Dialog mit der KI mir die Zeit für echte Umsetzung raubt. – Wie ist das bei euch? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? 

Zwischen Prokrastination und gefühlter Produktivität bei der Arbeit mit KI

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