Für meine Novelle, an der ich aktuell arbeite, brauche ich auch ein Deckblatt, um sie veröffentlichen zu können. Meine Versuche und Überlegungen waren ein Auf und Ab.
Inhalt
Phase 1: Blow-Up Entwurf als Basis für KI?
In der ersten Phase versuchte ich mit aufgerissenem digitalen Stift vorzuzeichnen. Ich wollte einen möglichst graphischen Eindruck erreichen. Für „Ruf nach Meer“ sollte das Cover natürlich etwas mit Meer zu tun haben. Mir kamen durchaus gleich mehrere Ideen, doch manche davon nahmen das Ende vorweg. Das war natürlich nicht sehr hilfreich.
Es sollte möglichst unverfänglich sein und lediglich Stimmung vermitteln und keinen Hinweis auf das Ende geben. So experimentierte ich zunächst stilistisch mit einer Welle bei Mondschein. Wasserstrukturen von oben fand ich auch interessant, waren jedoch am Ende doch etwas zu anspruchsvoll für mein Zeitbudget.
Ich versuchte, mit KI diese grafische Richtung zu verdichten und in eine Art PopArt-Stilistik zu treiben. So entstand in jedem Fall genug Kontrast, der auch für kleine Thumbnails nützlich wäre.

Anschließend erfolgte das Layout des eigentlichen Deckblatts. Das Zielformat für ein KDP Cover liegt bei 2.500 px Höhe und 1.600 px Breite. (Quelle: https://kdp.amazon.com/de_DE/help/topic/G200645690) Da die Bilder von Chat GPT nicht diesen Mindestanforderungen an die Abmessungen entsprachen, musste ich das Bild in einen Rahmen setzen. Hierbei wollte ich ein neutrales Schwarz mit einem Farbton aus der Illustration kombinieren. Diese Stilistik war einfach zu skalieren, sollte ich weitere Cover dieser Art erstellen wollen. Den Satz erledigte ich in Affinity Photo.
Ich begann schon, das Ganze als Reihe zu denken und entwarf direkt noch ein zweites Cover für eine zweite Idee für eine Novelle, die ich bisher nicht weiter verfolgt habe.

Alles in allem funktionierte das zwar als serielles Konzept, aber irgendwie holte es mich nicht komplett ab. Zweifel nagten an mir, ob ich wirklich so viel Gestaltungsarbeit an die KI delegieren wollte? Würde ich mir da nicht selbst untreu werden, wenn ich so viel meines Gestaltungsprozesses abgeben würde?
So blieb das Thema Deckblatt wieder für diverse Wochen liegen.
Phase 2: Szenische Darstellung
Ich schaute mir verschiedene Buchcover an und entschied mich, es etwas szenischer anzugehen. Ich kritzelte meine Ideen auf Schmierpapier, um die Komposition zu testen. Ich wollte herausfinden, wie das wirken könnte, ohne gleiche Stunden an Arbeit zu investieren. Also gab ich meine rudimentäre Skizze an Chat GPT und ließ es ein Cover auf dieser Basis rendern.

Gut, dass ich nicht gleich selbst „all-in“ gegangen war. Das ganze Bild schrie irgendwie eher „Liebesroman“ und das passt eigentlich weniger zu „Ruf nach Meer“. Doch ein Cover ist eben mehr als ein hübsches Bild. Es ist ein Versprechen an die Leser. Was nützt ein nettes Cover, wenn es falsche Erwartungen weckt und dann am Ende alle enttäuscht sind?
Phase 3: Fotografischer Ansatz
Mich quälte weiterhin der Gedanke, dass ich mich bewusst von dem zunehmenden KI-Look abheben wollte. In Diskussion mit Chat GPT äußerte ich meinen Missmut über meinen bisherigen Ideenverlauf. Mir meiner Grenzen in Zeit und Skills bewusst, fragte ich mich, ob ich die Cover-Frage nicht fotografisch lösen könnte.
Ich erinnerte mich plötzlich daran, dass ich mir irgendwann letztes Jahr eine Fotobox gekauft hatte, die ich noch nicht einmal ausgepackt hatte. Wenn das jetzt nicht der ideale Zeitpunkt war, dann wusste ich auch nicht weiter. Also schaffte ich an einem Sonntag, als die Kinder gerade auf dem Trampolin tobten, eine kleine Fotosession. Als Objekt wählte ich eine hübsche Muschel, die wir schon länger zu Hause haben.

Eigentlich hatte zunächst ein weißes Cover im Sinn. Leider musste ich feststellen, dass es gar nicht so einfach war, die Muschel scharf und den Untergrund rein weiß zu bekommen. Und mit Trackpad freizustellen war auch eher müßig. So drehte ich das Ganze auf einen schwarzen Untergrund, von dem sich die Muschel nun viel klarer abheben konnte. Die Textur des Untergrundmaterials war leider zu stark zu sehen und ich musste noch ein schwarzes Blatt suchen. Leider fand ich auf die Schnelle nur einen Streifen, was mich später im Layout etwas beschränkte. Gleichzeitig gab es dem Bild eine interessante Untergrundtextur.
Nun begann der Layoutprozess und der Aufbau der Textelemente. Im Studium lernte ich, dass der Autorenname nur dann groß und prominent gesetzt wird, wenn sich das Werk über den Autorennamen verkauft. Dan Brown oder Steven King sind dazu sicher passende Beispiele. Ist man eher unbekannt, muss sich das Werk über den eigentlichen Titel verkaufen. Damit war die Gewichtung der Typografie sofort klar.
Ich spielte nun Ping-Pong mit Chat GPT, um verschiedene Textanordnungen zu testen. Sprich ich machte ein Layout und zeigte es der KI, die mir wiederum Hinweise zur Textanordnung und zur Gewichtung der Elemente gab.

Ein bisschen erinnerte es mich an früher, als ich noch öfter zur Kamera gegriffen hatte und die Zeit im Studium, wo wir uns im ersten Semester mit Buchcover beschäftigten. Damals noch für den klassischen Einsatz. Hier schloss ich – auf Vorschlag von Chat GPT – meine Kreation jedoch mit einem Thumbnail-Test, denn es geht ja um eine Veröffentlichung auf KDP. Da der Titel auf 120 Pixel Höhe zu lesen und die Muschel klar erkennbar ist, erfüllt das Cover die Mindestanforderungen, um in den Suchergebnissen auf Amazon lesbar zu bleiben.
Fazit
Die Cover-Frage hat mich im Hintergrund immer wieder beschäftigt. Ich musste feststellen, dass es deutlich schwerer ist, ein Cover für eine eigene Story zu erstellen, als ein fiktives Cover als handwerkliche Übung, wie wir es im Studium gemacht haben. Denn es ging eben nicht mehr nur um Handwerk, sondern um Erwartungsmanagement bei den Lesern.
Darüber hinaus musste ich für mich selbst entscheiden, wie stark ich die KI in meinen Kreationsprozess einbinden wollte. War ich bereit, einfach ein weiteres „KI-Cover“ zu sein, oder wollte ich etwas eigenes schaffen?
Ich finde, alles in allem ist das Endergebnis nun wirklich auf einem Cover-Niveau, dass ich mir für meine Novelle vorstellen kann. Sollte ich „Tanz der Raben“ wirklich irgendwann als Novelle schreiben, kann ich mir gut vorstellen, ein Cover in ähnlicher Manier zu erstellen.
Vielleicht sollten wir einmal öfter auf den Wallanlagen hier spazieren gehen. Dort sind immer sehr viele Raben unterwegs, vielleicht finde ich durch Zufall mal eine Feder. Bei uns im Garten landen leider immer nur Taubenfedern.