Eine Telefonzelle als Bücherschrank und ein seltsamer Geist

Ich stieg an der Einfahrt zum Bürgerhaus von meinem Fahrrad und stellte meinen Rucksack daneben ab. Dort auf der Ecke stand schon seit ein paar Jahren ein Bücherschrank. Mama hatte mal erklärt, dass das früher einmal eine Telefonzelle war. Sie meinte, dass sie mit der starken Verbreitung von Handys ihre ursprüngliche Bedeutung verloren haben. Diese hier diente nun als privater Austausch für Bücher. Ich stellte mein Fahrrad ab und zog die Tür auf. Kaum hatte ich den kleinen, engen Raum betreten, lief mir ein Schauer über den Rücken. Etwas war anders als sonst. Vorsichtig strich ich mit meiner Hand über die Buchrücken. Viele der Titel waren vertraut und standen hier schon länger. 

Plötzlich hielt ich inne.

Dieses Buch fühlte sich anders an. Vorsichtig zog ich es heraus. Es war ein altes Kräuterkunde-Buch. Nicht unbedingt meine Vorstellung von Ferienliteratur. Einige Seiten hatten sich bereits aus der Klebebindung gelöst und drohten heraus zu rutschen. Das Buch war definitiv bei meinem letzten Besuch nicht hier gewesen. Es war schon sehr in die Jahre gekommen und scheinbar trug es mehr als Buchstaben in sich. 

Ich schloss die Augen und atmete tief durch. Sacht strich ich mit der Hand über den Einband. Da war es wieder. Eine schwache Präsenz. Vor meinem inneren Auge entstand das vage Bild eines älteren Mannes. Wie so oft konnte ich sein Gesicht nicht erkennen. Ich wusste nicht, wer er war. Doch ich fühlte, dass er freundlich war. Als ich die Augen wieder öffnete, schaute ich mich vorsichtig um. Doch ich war allein. Sorgfältig stellte ich das Buch zurück und trat hinaus aus der Telefonzelle hinüber zu meinem Fahrrad.

Nachdenklich betrachtete ich den improvisierten Bücherschrank. Fast hatte ich den Eindruck, dass der Mann mich beobachten würde. Ich ging in die Knie und zog mein Skizzenbuch und ein Metalletui mit Bleistiften aus meinem Rucksack. Vielleicht hatte ich heute keinen neuen Lesestoff gefunden, dafür jedoch eine neue Spur für mein Spurenbuch. 

Schmuckgrafik als Trenner

Auch im Mai möchte ich das Projekt 52 nutzen, um weiteres Material zu meiner Welt „Das verborgene Gleichgewicht“ zu erstellen. Im April konntet ihr Enya und Ursa Thalen in meinem kleinen Mini-Comic kennenlernen. Dieses Mal werden es eher Fragmente für Miras Spurenbuch werden. 

Mira Elvren ist ein 8 jähriges Mädchen, das Geister spüren kann. Ihre Eindrücke hält sie in einem Skizzenbuch – ihrem „Spurenbuch“ fest. Sie ist zwar nicht die Hauptfigur meiner Welt, wird im ersten Band dennoch eine wichtige Rolle spielen. Mehr sei an dieser Stelle noch nicht verraten. 

Lasst euch überraschen, ob und wie es mir gelingt, die Begriffe von Projekt 52 diesen Monat in mein Großprojekt einfließen zu lassen. 

Alle Beiträge zum Projekt 52 im Mai.

Der Bücherschrank (P52, Lesen)

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