Am Dienstag vor Ostern war es so weit. Ich habe meinen ersten Workshop für Kinder zum Thema Zeichnen gegeben. Eine Stunde haben wir uns mit den Grundlagen der Figurekonstruktion beschäftigt und zusammen kleine Hasen gezeichnet. Ich habe den Kindern in vereinfachter Form Basic Shapes und Achsen gezeigt – und wie man daraus Figuren macht.

Stattgefunden hat der Workshop im Rahmen des Ferienprogramms der Bibliothek Wittstock. Mit 11 Kindern war es an dem Tisch in der Kinderbibliothek auch schon recht kuschelig. Ich hatte darauf bestanden, dass die Kinder Schmierpapier bekommen, damit sie ganz wild und frei probieren können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Leider war der Übergang von Aufbau und den ersten Kindern so fließend, dass ich nicht einmal geschafft habe, das ein oder andere Foto zu machen.
Inhalt
Motivation – Warum ein Zeichenworkshop für Kinder?
Das Thema geisterte schon länger in meinem Kopf. Dezember 2024 hatte ich in der Vorweihnachtszeit in der damaligen zweiten Klasse meiner Tochter schon einmal einen Projekttag begleitet. Da haben wir aus Handumrissen Weihnachtsmotive gezeichnet und mit Aquarell koloriert. Als ich in der Hofpause auf dem Pausenhof mit einem anderen Elternteil stand, fragten mich ein paar Turnkinder, warum ich da war. Als ich ihnen davon erzählte, fragten sie mich, ob ich irgendwann auch mal bei ihnen in der Klasse sowas machen könnte.
Überhaupt fragen mich meine Turnmädels immer mal wieder, warum ich zeichnen kann und wie das geht usw. Parallel merke ich, dass der Kunstunterricht noch weniger als früher zeichnerisches Können vermittelt.
So formte sich langsam der Gedanke, wie ich ehrenamtlich ein Angebot für Kinder schaffen könnte. Im Februar traf ich mich dazu mit unserer Bibliotheksleiterin und besprach mit ihr meine Idee und meine Rahmenbedingungen. Denn da ich ja auch einer regulären Arbeit nachgehe, konnte ich nicht einfach ein wöchentliches Programm oder Vormittagstermine anbieten. Meine Idee war organisatorisch einfach: Auf Arbeit hatte man sich schon daran gewöhnt, dass ich dienstags 15 Uhr Feierabend machte, um das breitensportliche Turnen unseres Vereins zu begleiten. In den Ferien machen wir jedoch für gewöhnlich kein Training. Ich wollte also genau diesen Slot nutzen.
Aufbau des Workshops
Geplant hatte ich den Workshop in 3 Phasen: Warm-Up, geführtes Zeichnen eines Motivs, freies zeichnen. Inhaltlich sollte es immer einen Fokus geben, der den Kindern die Grundprinzipien gut veranschaulichen konnte. Während also Schneemänner für die Winterferien perfekt gewesen wären, zeichneten wir nun potentielle Osterhasen in den Osterferien.
Warm-Up 1: Kurze Einwärtsschwünge, lange Auswärtsschwünge
Warm-Up 2: Basic Shapes – vor allem Kugeln. Für die Kugeln habe ich einen Pilatesball mit Kreppklebeband prepariert, um den Kindern ein räumliches Verständnis zu geben.
Im nächsten Schritt wollte ich aus diesen Kugeln erste kleine Hasenköpfe gemacht. Ein altes Klopfer-Kuscheltier von mir, sollte zur Veranschaulichung dienen. Um sich dann sukzessive über den Körper, Schulter, Arme, Beine zu dem fertigen Hasen zu bewegen. Für die Arme habe ich Klopapierrollen und einen Tennisball dabei gehabt, um den Unterschied zwischen Gelenken („flexible Parts“) und den stabilen, unbeweglichen Teilen („solid Parts“) zu veranschaulichen.
Im Anschluss sollte jedes Kind die Möglichkeit bekommen, auf besserem Papier eine Karte zu gestalten.

Ablauf des Workshops
Die Kinder kamen in einem Zeitfenster von 15-20 Minuten an. Das war für die ersten sehr langweilig, ich wiederum wollte nicht alles drei Mal erzählen. (Zwei Mal wurde es dann aber doch.)
Der Übergang von den Warm-Up Übungen zu den Kugeln, aus denen wir die Hasen entwickeln wollten, ist mir nicht gut gelungen. Ich hatte versäumt, rumzugehen und nicht bemerkt, dass einige die Kugeln zu dicht am Bildrand hatten. Ich hätte hier einfach bitten können, ein neues Blatt zu nehmen, damit wir alle mit den gleichen Voraussetzungen starten.
Schritt für Schritt zeichnete ich dann am Flip Chart vor, während die Kinder versuchten mir zu folgen. Als wir durch waren, ging ich einmal herum. Ich glaube, auch das hätte ich vorher schon einmal tun sollen, um rechtzeitig einzugreifen. Die Köpfe haben soweit noch ganz gut geklappt, doch beim Körper hätte es eine engere Begleitung benötigt.
Wahlweise habe ich den Kindern auf ihr Papier den Hasen in ihrer Pose noch einmal daneben gezeichnet oder aber nur einen bestimmten Aspekt, wo sie noch einmal genauer hinschauen könnten.
Das mit der Osterkarte haben wir am Ende dann nicht geschafft. Dafür war eine Stunde einfach zu knapp. Ich hatte die Kinder am Ende gefragt, ob sie noch einmal auf schönem Papier starten wollen, doch sie wollten lieber in dem freien Prozess bleiben.
Vielmehr probierten wir danach noch recht frei Dinge aus. Wie nah die Katze am Hasen ist und wie man eine Kugel in einem Würfel zeichnet. Da die Luft bei ein paar Kindern schon raus war, und sie begannen, größere Flächen mit dem Bleistift zu Schraffieren, zeigte ich ihnen spontan, wie man an den Reißkanten von Papier mit Graphit und Wischen interessante Effekte erzeugen kann.
Da ich, wie so oft, ohne Uhr unterwegs war, zerfaserte es am Ende, als die ersten Kinder abgeholt wurden. So blieb leider keine richtige Zeit für Feedback. Ich hoffe jedoch, dass am Ende jedes Kind etwas für sich mitnehmen konnte.

Learnings für eine zweite Runde
- Warm Ups vorbereiten und schonmal machen lassen, während die Kinder ankommen. Das gibt weniger Langeweile und wir verlieren zum Start nicht so viel Zeit.
- Jedem Kind von Anfang an zwei Blätter hinlegen: 1) Warm Up und 2) Übung
- Zwischen den Schritten schonmal rum gehen und den Fortschritt checken
- Alter von „ab 8 Jahren“ auf „ab 9 Jahren“ anheben, da die jüngeren mit dem strukturellen Ansatz nicht so gut klar kamen
- Vielleicht nehme ich mir nächstes Mal auch eine Uhr mit oder stelle mir einen Wecker für das Timing.
Persönliches Fazit
Ich merke, dass es etwas Übung braucht, in dieses Format hinein zu kommen. Es ist einfach etwas ganz anderes, als in der Sporthalle mit den Kindern zu stehen. Doch ich denke, man könnte da in den Sommerferien noch einen Versuch wagen.