Es war eine sternklare Nacht. Der Mond stand hoch am Himmel und legte einen silbrigen Schleier über das Camp. Lichterketten in den Bäumen und am Pavillon umgaben den Platz. In der Mitte lag der Sonnenstein. Ein magischer Stein, der am Tag von der Sonne aufgeladen wurde. Um ihn herum saßen vereinzelte Grüppchen auf einfachen Holzbänken und unterhielten sich gedämpft. 

Zeichnung vom „Sonnenstein“

Fasziniert starrte Tarin auf den Stein und beobachtete die kleinen, tanzenden Funken, die über ihn huschten. Neben ihm stieß ihn ein älterer Junge an. „He, ich hab dich was gefragt.“ „Mh?“ Tarin schaute überrascht zu Marek. „Ich hab’ nicht zugehört“, gab er zu. „Ganz offensichtlich.“ Der Junge schaute ihn irritiert an, dann wandte er sich dem Stein zu. „Was starrst du denn so? Da ist doch nichts.“ Tarin streckte den Finger aus. „Die kleinen Funken da. Sie tanzen.“ Marek kniff die Augen zusammen. „Da ist nichts.“, bekräftigte Marek. Doch Tarin ließ nicht locker. „Du schaust nicht richtig hin!“ Marek schüttelte den Kopf und sprang auf. „Ach du spinnst doch.“ Noch ehe Tarin sich beschweren konnte, trat ein Mann zu ihnen heran. Sein dunkles Haar war von grauen Strähnen durchzogen. Er legte eine Hand auf Mareks Schulter. „Na, was habt ihr entdeckt?“ 

„Tarin behauptet, da tanzen irgendwelche Funken.“ Marek verschränkte die Arme. „Doch da ist nichts. Das bildet er sich ein.“ Der Mann schmunzelte. „Nur weil du es nicht sehen kannst, heißt es nicht, dass es nicht da ist. Als Schleierseher solltest gerade du das doch wissen.“ Er ließ seine Hand von Mareks Schulter gleiten und setzte sich zu Tarin. „Als ich klein war, nannten wir sie Funkenbolde. Sie lieben das Feuer, aber unser Sonnenstein scheint ihnen auch zu gefallen.“ Tarin strahlte ihn an. „Du kannst sie also auch sehen?“ Der Mann nickte. Ein zweiter Mann trat zu ihnen. Er war bereits älter, das Haar grau, das Gesicht vom Wetter gegerbt. Er lebte schon lange hier im Camp. „In meinen Büchern nannte man sie ‚Sirrati‘.“ Marek schaute ihn frustriert an. „Können Sie sie etwa auch sehen?“ Er lachte. „Nein. Ich habe lediglich Alriks Beschreibung interpretiert. Der Legende nach, werden neue Sirrati geboren, wenn Funken in einer Vollmondnacht zum Himmel fliegen.“ 

Mit meinem Beitrag zum Thema „Lichtermeer“ für Saris Projekt 52 im Monat März nehme ich euch heute mit in die Welt meines Story-Großprojekte „Das verborgene Gleichgewicht“. Für die Zeichnung wollte ich unbedingt versuchen, auf schwarzem Tonpapier zu zeichnen. So entstand das Bild auf A6-Karton, den ich eigens dafür gekauft habe.

Ich habe mit Polychromos und Pastellstiften gearbeitet. Nach dem fixieren sind die Farben leider teilweise etwas matt geworden, sodass ich am Computer etwas nachgeschärft habe. Dabei ist mir dann glatt aufgefallen, dass ich ja für die Jungen im Vordergrund eigentlich noch ein Wattestäbchen holen und glätten wollte. Nun, nach dem Fixieren klappt das natürlich nicht mehr.

Lichtermeer (P52)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert