Kunst ist in meinen Augen – wie auch Musik und Sport – mehr als ein sogenanntes „Spaßfach“. Es gehört selbstverständlich zu einem ausgewogenen Lernprogramm dazu.

Bedeutung des Kunstunterrichts

Für das Schreiben ist eine gewisse motorische Entwicklung der Hand erforderlich. Man spricht von „Graphomotorik“. Wenn die Kinder im Kunstunterricht malen, so muss der Stift ebenso wie beim Schreiben ordentlich gehalten werden. Bewegungsabläufe können hier auf eine lockerere Art geübt werden und bieten eine Abwechslung vom starren Konzept des Schreibens von Buchstaben und Zahlen.

Ein guter Kunstunterricht kann Kinder dazu befähigen, ihre Gedanken und Ideen zu visualisieren. Hierbei geht es nicht darum, aus jedem Kind einen kleinen Picasso zu machen, sondern vielmehr ein Grundwerkzeug mitzugeben. Die Kinder sollten keine Angst vor einem weißen Blatt haben und sich trauen, Bilder aus ihrer Fantasie mit ihrer Hand auf das Papier zu bringen.

Zugegeben, die Reise dauert eine Weile und ist nicht leicht. Nicht ohne Grund gibt es eine Fülle von Erwachsenen, die zum Thema Kunst einfach „ich kann nicht zeichnen“ sagen. Das ist in meinen Augen jedoch ein Bild, das wir den Kindern NICHT vermitteln sollten. Denn es geht bei der Visualisierung von Ideen weniger um Perfektion und ultimative Schönheit, vielmehr ist es ein Mittel der Kommunikation.

Grundlagen des Zeichnens und der graphischen Darstellung

Wenn ich auf meinen bisherigen Werdegang zurück schaue, was würde ich mir für die künstlerische Bildung meiner Kinder wünschen? Was gehört für mich dazu?

  • Grundformen und eigene Formen frei zeichnen
  • Ausbildung einer graphomotorischen Sensibilität
  • Sehen lernen und beobachten
  • Grundlagen der Farblehre
  • Erste Begrifflichkeiten

Wie sich solche Grundlagen ganz praktisch und spielerisch vermitteln lassen, zeigen die folgenden einfachen Übungen, die sich sowohl zu Hause als auch im Unterricht umsetzen lassen.

Grundformen und eigene Formen frei zeichnen

Ähnlich wie wir zum Schreiben Buchstaben brauchen, braucht es zum Zeichnen ein gewisses Repertoire an Grundformen. Allen voran gehören dazu: Kreis, Oval, Rechteck, Quadrat, Dreiecke in verschiedenen Formen

Ohne die Beherrschung dieser Grundformen werden Kinder zunehmend in die „Ich kann nicht zeichnen“-Haltung rutschen, da sich die meisten Dinge auf diese Grundformen zurückführen lassen. (Siehe auch: Zeichnen lernen – Ein paar Grundlagen)

Übung Kreise: „Bunte Kreise“

Material: Bleistifte und Buntstifte, eventuell ein paar Filzstifte

Aufgabe: Zeichne mit einem Bleistift Kreise in verschiedenen Größen. Zeichne sie so, dass sich ihre Umrisse – die Linien – nicht überschneiden. Male die Kreise in verschiedenen Farben aus. Wenn du möchtest, kannst du den Bleistiftstrich mit Filzstiften in verschiedenen Farben nachziehen.

Tipp: Das Blatt könnte dann in einer Folgestunde weiterverwendet werden, um daraus etwas zu basteln. Oder man ermutigt die Kinder, es als Geschenkpapier zu nehmen.

Übung Kreise: „Schaumberge in der Badewanne“

Material: Bleistifte und optional Buntstifte

Aufgabe: Zeichne eine Badewanne mit großen Schaumbergen voller kleiner Blubberblasen. Ein paar große Blubberblasen fliegen durch die Luft. Auf dem Badewannenrand sitzt ein Badeentchen. Was kannst du noch ergänzen?

Alternative: Alternativ kann die Badewanne als Vorlage ausgegeben werden und die Kinder ergänzen das Bild einfach.

Vorlage einer Badewanne zum Ausdrucken

Übung Kreise: Weihnachtskugeln

Material: Bleistift und Buntstifte

Aufgabe: Zeichne einen Tannenbaum. Schmücke diesen anschließend mit Perlenketten und Christbaumkugeln. Verziere die Christbaumkugeln mit Mustern, wenn du magst und male alles schön weihnachtlich an. Liegen unter dem Baum ein paar Geschenke?

Alternative: Alternativ kann ein Tannenbaum als Vorlage angeboten werden und die Kinder ergänzen einfach das Bild.

Vorlage eines Tannenbaums zum Ausdrucken

Bild zu einer Hörgeschichte malen

Bei einer Tombola auf dem Stadtfest gewann unsere Tochter das Hörbuch zu „Das kleine Gespenst“ von Ottfried Preußler. Die Geschichte erstreckt sich über zwei CDs und lief hier mehrfach rauf und runter. Davon inspiriert entstand dann auch ein Bild, das unsere Tochter malte. Hierbei nahm natürlich das offizielle Cover der CD einiges an Einfluss.

Man sieht auch, dass ihr große Flächen mit Buntstiften noch Probleme machen, doch ich liebe es, wie viel Mühe sie sich mit dem Bild gegeben hat. Sie hat das ganze Blatt gefüllt, nicht einfach nur etwas Kleines in die Mitte gemalt.

So eine Hörgeschichte hören oder eine Geschichte vorlesen und dabei malen, daran kann ich mich auch noch zu meiner Grundschulzeit erinnern. Es fördert und fordert die Vorstellungskraft unserer Kinder und ist graphomotorisch ebenfalls eine schöne Übung, denn die selbst gezeichneten Formen sollen dann natürlich auch ausgemalt werden.

Bild zu „Das kleine Gespenst, 2022, 6 Jahre alt (1. Klasse)
Kunstunterricht in der Grundschule: Mehr als „Spaßfach“
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