Wie ihr vielleicht wisst, dienen die “Babyjahre” nicht nur dem Festhalten einzelner Momente in Comicform, sondern auch als technische Übung für mich. Entsprechend ist der Arbeitsprozess dabei noch nicht 100%ig fest und ich probiere hier und da neues aus. Passend zum INKtober möchte ich euch heute in eine Überlegung bezüglich des Tuschens einweihen.

Analog oder digital? – Der Test

Auf die Idee brachte mich jemand im Comicforum, der anmerkte, dass meine Vorzeichnungen weitaus dynamischer aussehen, als mein Inking. Ob ich nicht mal versuchen wolle, die Outlines analog zu machen. Das habe ich nun einmal für die 4. Comicseite, an der ich derzeitig arbeite, gemacht. Zu diesem Zweck habe ich meine Vorzeichnung ausgedruckt und mit Stahlfeder analog getuscht. Anschließend habe ich das Ergebnis wieder eingescannt und so bearbeitet, dass die blaue Vorzeichnung nicht mehr sichtbar ist. Dadurch sind leider auch ein paar Feinheiten der schwarzen Linien kaputt gegangen.

Vergleich Inking

Zwei Mal getuscht – links digital, rechts analog

Trotz gleichen Ausgangsmaterial fällt auf, dass es durchaus leichter Unterschiede gibt. Wobei ich ergänzen muss, dass ich das erste und zweite Panel digital leider noch mit einem nicht so flexiblen Brush getuscht hatte. Erst danach war mir eingefallen, dass ich doch zum Ende der Schwangerschaft extra experimentiert hatte und mir einen Brush angelegt habe, der stärker auf Druck und Neigung des Stiftes reagiert. Darüber hinaus habe ich mich entschieden, im Vordergrund befindliche Objekte noch einmal mit einer fetteren Outline zu versehen, um sie entsprechend abzuheben. Doch auch im Detail sind natürlich Unterschiede in der Ausarbeitung zu erkennen. (Dabei fällt vor allem auf, dass ich analog die eine Linie für die Tür vergessen habe und digital die Linien vom Board. ;) )

Inking Vergleich - Digital und analog

Bei Detailaufnahmen könnte das Inking ohne größere Probleme auch analog erfolgen.

Inking Vergleich - Digital und analog

Bei kleineren Details wiederum ist man digital klar im Vorteil.

 

Digitales und analoges Tuschen im Vergleich

Inking Digital

  • + Korrekturmöglichkeiten
  • + Ausarbeitung bis in kleine Details möglich
  • + sauberer Strich
  • + kein versehentliches Verschmieren
  • + keine Trockenzeiten
  • + Arbeit mit Ebenen möglich
  • – Man verzettelt sich schnell und verliert den Überblick
  • – Schwer einschätzbar, wie die Strichstärke später auf Papier wirkt (Probedrucke helfen)
  • – dauert (bei mir) länger (vermutlich wg. Korrekturen)

Inking Analog

  • + direkteres Arbeiten
  • + schnelles Ergebnis (da keine Korrekturmöglichkeiten)
  • + mehr Dynamik im Strich (??)
  • – keine Korrekturmöglichkeiten
  • – versehentliches Verschmieren
  • – Trockenzeiten beachten
  • – Nachbearbeitung nötig

Persönliches Fazit

Ich muss zugeben, ich war beeindruckt, wie schnell ich die Seite analog getuscht hatte. Natürlich war ich nicht mit allen Strichen glücklich und an einer kleinen Stelle habe ich die Tusche tatsächlich ungewollt verschmiert. Digital konnte ich wiederum wie gewohnt detailierter arbeiten – das sieht man besonders im ersten Panel – habe dafür jedoch viel länger gebraucht. Bei kleinen Details hat man analog natürlich das Nachsehen. Wobei ich denke, dass die Profis, die analog inken, dass in einer höheren Auflösung tun, als der spätere Druck erfolgt.

Schade ist für mich, dass bei der Nachbearbeitung, um die blaue Vorzeichnung loszuwerden, auch Feinheiten der eigentlichen Tuschezeichnung kaputt gehen. Darüber hinaus habe ich natürlich nicht die harten Kanten, die ich teilweise bei der Auswahl zum Kolorieren benötige.

Ich denke daher, dass ich bei der digitalen Arbeitsweise bleibe, mich jedoch öfter daran erinnern sollte, wie viel man später wirklich sieht. Vielleicht nutze ich den Ansatz von der digitalen Vorzeichnung zur analogen Tusche und womöglich Koloration später mal für eine Einzelillustration.

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Comic tuschen: Analog oder digital?
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11 thoughts on “Comic tuschen: Analog oder digital?

  • 19 November 2016 at 13:42
    Permalink

    Hallo Christina,

    ich arbeite selbst auch gerne mit Grafikprogrammen und habe schon mal überlegt mir ein Wacom zu besorgen, aber ich habe das mal beim Saturn ausprobiert und kam da null mit klar :D
    Also ich würde immer in echt lieber Bilder ausmalen als am PC, bzw. generell malen/zeichnen.
    http://i.imgur.com/XJBnw4H.jpg Das habe ich mal gemalt :) die kleinsten Details sogar mit der Spitze einer Stecknadel, weil ich es mega entspannend finde mit dem gesicht auf dem Bild zu kleben und gaaaanz Fein zu zeichnen :D
    War während der Kunst Therapie in einer Reha ^_^.

    Analog klingt übrigens irgendwie immer noch so nach Computer O_O.
    Ich finde die digitalen Bilder hier haben viel zu dicke Striche, da gefällt mir das “Analoge” deutlich besser.

    Falls du übrigens es noch nicht hast:
    https://affinity.serif.com/de/
    Die machen Photoshop Konkurenz und das für unter 100€ zwischen 30-70€ glaube ich.
    Ich probiere gerade die Windows beta von Affinity Photo aus, sieht aus wie Photoshop :)
    War bisher nur für Apple/Mac und nun für Windows, falls du Windows hast kannst du es während der Beta umsonst testen ;)

    Kann ich nur empfehlen.
    Du kannst da auch PSD und sowas importieren, also aus den ganzen Photoshop Communitys neue Pinsel etc.

    Ich finds gut, aber als bisher Gimp Nutzer ist der Umstieg schwer, für Photoshop Nutzer ist es super.

    Lieben Gruß
    Benny

    Reply
    • 20 November 2016 at 13:22
      Permalink

      Hallo Benny,
      danke für dein ausführliches Feedback. :)

      Die Arbeit mit einem Tablet ist anfangs in der Tat sehr gewöhnungsbedürftig und bedarf einiger Übung. Wenn du das wirklich machen möchtest, hilft es, sich erstmal von der Maus zu trennen und immer das Tablet zu verwenden. Damit übt man die Hand-Auge Koordination auch im Alltag. Und dann hilft natürlich beim Malen und Zeichnen nur: Übung, Übung, Übung

      Als Software nutze ich zum Malen und Zeichnen nicht Photoshop. Photoshop ist eher für die Bildbearbeitung gut. Ich zeichne in Clip Studio Paint (ehemals Manga Studio). Das ist explizit aufs Zeichnen ausgelegt, bietet dort einige praktische Tools und Funktionen und ist bei hohen Auflösungen – zumindest auf meinem Rechner – performanter als Photoshop. Die einfache Version bekommt man schon für 50$ – doch selbst die Profi-Version ist mit 219$ ein Schnäppchen im Vergleich zu Photoshop. :)
      Mehr Infos: http://www.clipstudio.net/en/functions

      In den Zeichnungen oben hatte ich mich tatsächlich bewusst für die fetten Linien in der digitalen Variante entschieden, um Vordergrund und Hintergrund noch besser abzugrenzen. Aber klar, das führt zu einem ganz anderen visuellen Eindruck, als ohne. ^^’

      Viele Grüße
      Christina

      Reply
      • 26 November 2016 at 14:45
        Permalink

        Hallo Christina,
        ich habe von Clipstudio manchmal Werbung auf Deviant Art :)
        Aber da ich selbst meistens nur Bilder nachbearbeite war ein reines Zeichen programm nichts für mich :)
        Ich kann mir ein Tablet am PC einfach nicht so recht vorstellen, meine Zeichnungen am PC waren noch nie das wahre.
        Für mich machjt es unheimlich viel mehr Spaß in echt zu zeichnen, es ist eine Leidenschaft, aber dafür müsste ich mal wieder alles besorgen, aber es stehen immer so viele andere Wünsche an, dass die Erfüllung eines Hobbys keine Zeit findet^^.

        Reply
        • 27 November 2016 at 17:33
          Permalink

          Wenn es dir Freude bereitet, solltest du in jedem Fall dran bleiben. Zeichnen kann man im Zweifel auch mit Kugelschreiber auf Kopierpapier. :)

          Reply
      • 26 November 2016 at 14:46
        Permalink

        Oh und ja, 50$ bzw. sogar in € meist weniger ist deutlich günstiger^^.

        Reply
  • 24 November 2016 at 15:09
    Permalink

    Uh also ich finde tatsächlich deine digitalen Lines besser! Und das aus meinem Munde, bin ja Liebhaber analoger Linien. Nicht nur, dass deine Lines mehr Details haben (die Wimpern an den Augen ♥) ich finde sie auch dynamischer bzw. gleich gut :O
    Bin ja gespannt, was sich da bei dir einbürgert!

    Reply
    • 27 November 2016 at 17:31
      Permalink

      Danke für dein Feedback. :) Gerade was die weitere Verarbeitung angeht, überwiegen beim Digitalen irgendwie die Vorteile. Aber ich habe jetzt beispielsweise angefangen, nur noch eine Inkebene (evtl. eine für Details) zu nutzen und nicht mehr eine pro Panel. Damit kann ich jetzt zwar die Tuschezeichnung innerhalb eines Panels nicht mehr so einfach verschieben, doch selbst das spart schon ein wenig Zeit. ;)

      Reply
  • 2 December 2016 at 15:34
    Permalink

    Hey Christina, ganz toller Blogpost!
    Ich mag Vergleiche zwischen analogen und digitalen Zeichnungen sehr. Es ist unglaublich, wie unterschiedlich ein und das selbe Motiv wirken kann.
    Die digitale Version deiner Zeichnungen mag ich am liebsten, denn die unterschiedlichen Strichstärken empfinde ich als dynamischer und gleichzeitig geben sie dem Bild mehr Struktur (im Sinne von Vorder- und Hintergrund). Hast du auch mal an eine Mischtechmik gedacht? Das ist nämlich mein all-time-favorit ♥ XD, denn ich finde so hat man noch mehr Möglichkeiten und übst den Schwung, den analoge Zeichnungen gegenüber digitalen haben, nicht so schnell ein.

    viele Grüße Rebecca

    Reply
    • 3 December 2016 at 18:29
      Permalink

      Wie genau meinst du das mit der Mischtechnik?

      Also momentan ist es so, dass meine grobe Ideenskizze analog entsteht. Das geht einfach am schnellsten. Anschließend gehe ich – manchmal mehr, manchmal weniger – nochmal digital über die Vorzeichnung und verbessere Proportionen etc. – Dann folgt das Inking, meist digital, damit ich entsprechend weiter arbeiten kann.

      Reply
      • 5 January 2017 at 17:22
        Permalink

        huch, sorry für die verspätete Antwort. Mit Mischtechnik meine ich einen Mix aus analog und digital. Aber das machst du ja schon, wie ich hier lesen :D.
        Ich gehe manchmal so vor, dass ich analoge Zeichnungen einscanne und dann mit Photoshop coloriere. So sieht man zwar noch das die Zeichnung analog angefertigt wurde, aber trotzdem auch einen Farbauftrag hat, den man nur in Photoshop hinbekommt. Gut, Farbe würde in deinen Fall wegfallen, doch vielleicht könnte man das auch anders einsetzten. Aber wie gesagt, eigentlich machst du dass ja schon.
        viele Grüße

        Reply
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